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28. Treffen Niederalteich 2018

Das 28. Treffen der Arbeitsgemeinschaft fand vom 13. bis 16. Juni im unmittelbar an der Donau gelegenen geschichtsträchtigen Klosterort Niederalteich im Landkreis Deggendorf statt. Das in mehreren Besprechungen vorbereitete Rahmenthema „Vorgeschichtliche Nutzung des Grenzgebirges“ wurde sowohl von archäologischer als auch naturwissenschaftlicher Seite behandelt und sollte den gegenwärtigen Kenntnisstand zur Situation im Bayerischen und Oberpfälzer Wald sowie Böhmerwald/Šumava und Český les/Böhmischer Wald, eingeschlossen natürlich auch den im oberösterreichischen Mühlviertel gelegenen Anteil des Böhmerwaldes behandeln. Die 16 gehaltenen Referate boten erstmals eine Zusammenschau der Kenntnisse zu den vorgeschichtlichen Verhältnissen im Grenzgebirge. An der Veranstaltung nahmen 52 Kolleginnen und Kollegen sowie einige an der Materie interessierte Personen teil.

Die Gewinnung von Referentinnen und Referenten besorgten Ondřej Chvojka, Miloslav Chytráček, Heinz Gruber, Gabriele Raßhofer und Karl Schmotz, die örtliche Organisation lag in Händen von Stefan Hanöffner, unterstützt von Ruth Sandner und Ludwig Husty.

Auch dieses Jahr konnte wieder ein Tagungsband präsentiert werden. Es handelt sich um den Sammelband Fines Transire 26 mit den Referaten des Treffens von 2016 im westböhmischen Pilsen, herausgegeben von Ondřej Chvojka, Miloslav Chytráček, Heinz Gruber, Ludwig Husty, Jan Michálek, Ruth Sandner, Karl Schmotz und Stefan Traxler. Die Finanzierung sicherten die Gesellschaft für Archäologie in Bayern, die Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald-Unterer Inn, die Ernst-Pietsch-Stiftung Deggendorf, die Kulturstiftung des Bezirks Niederbayern und das Westböhmische Museum.

Die Veranstaltung fand im Bildungshaus und Landvolkshochschule St. Gunther, einer in jeder Hinsicht bestens organisierten Institution, statt und wurde mit Grußworten von Bürgermeister Albin Dietrich, Heinz Gruber (Landeskonservatorat Oberösterreich des Bundesdenkmalamtes in Linz), Miloslav Chytráček (Archäologisches Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag) und Ludwig Husty (Kreisarchäologie Straubing-Bogen) eröffnet.

In den Grußworten kam auch der Dank für die großzügige finanzielle Unterstützung durch die Gesellschaft für Archäologie in Bayern, die Kulturstiftung des Bezirks Niederbayern, den Landkreis Deggendorf und den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds zum Ausdruck.

Die Einführung nahm Karl Schmotz, einer der drei Initiatoren der Arbeitsgemeinschaft, vor, dem das gewählte Rahmenthema ein besonderes Anliegen war. Die Moderation der Vormittagsreferate des Donnerstags lag in Händen von Ludwig Husty, die des Nachmittags bei Stefan Hanöffner.

An die vier Vorträge des Freitags, die von Walter Irlinger moderiert wurden, schloss sich ein ebenfalls von Walter Irlinger formuliertes Resümee mit Diskussion an. In diesem Rahmen wurde auch allen Referentinnen und Referenten gedankt, ebenso allen übrigen Teilnehmern für ihr Kommen.

Nach dem Mittagessen begann die Exkursion unter der Leitung von Ruth Sandner und Stefan Hanöffner, die auch gemeinsam ein Exkursionspapier verfasst hatten. Zuvor stand aber eine historische Einführung zur Klostergeschichte samt Kurzbesichtigung der ehemaligen Klosterbasilika durch Rainer Gaschler auf dem Programm. Danach war der in die Donauebene vorstoßende Burgberg von Winzer, der mittels zweier Abschnittsgräben gegen das Hinterland gesichert war, das Ziel. Von der ehemaligen Burganlage blieben nur noch wenige Mauerreste erhalten, deren heutiges Aussehen Resultat einer Restaurierung des 19. Jahrhunderts ist.

Vom steil abfallenden Burgberg aus bietet sich eine bemerkenswerte Aussicht auf die Landschaften an der Donau, die vom Tertiärhügelland im Süden über die lössbedeckten Schotterterrassen entlang des Flusses bis zu den Randhöhen des Bayerischen Wald reicht und die Darstellung der frühen Siedlungsgeschichte dieses Raumes eindrucksvoll ermöglicht.

Zweites Ziel war eine Anhöhe nordwestlich des Künzinger Ortsteils Unternberg, auf der sich innerhalb einer gleichzeitigen Siedlung eine zweiphasige mittelneolithische Kreisgrabenanlage mit vier Erdbrücken mit einem Außendurchmesser von 110 m und einem innen begleitenden doppelten Palisadenring befindet. Sie wurde 1985 teilweise archäologisch untersucht und galt damals als Meilenstein für die Kreisgrabenforschung in Niederbayern. Geraume Zeit waren sieben Standorte von Kreisgrabenanlagen bekannt, die erst nach der zweiten Jahrtausendwende einen Zuwachs durch zwei Neuentdeckungen erfuhren.

Bemerkenswert für Unternberg ist der Nachweis extrem ausgeformter Spitzgräben mit einer ursprünglichen Tiefe von etwa 5 m. Aus Tierknochen gewonnene Radiokarbondaten ergaben eine Nutzungsdauer der Kreisgrabenanlage von der zweiten Hälfte des 49. Jahrhunderts bis etwa in die Mitte des 48. Jahrhunderts, die als Nachfolgerin interpretierte kleinere Kreispalisadenanlage existierte während des 47. Jahrhunderts. Ein Modell der Kreisgrabenanlage befindet sich im Museum Künzing.

Zuletzt stand die Besichtigung eines der bedeutendsten oberirdisch erhaltenen Bodendenkmäler des Landkreises Deggendorf auf dem Programm. Es handelt sich um die etwa 23 m über der Talaue Isar unmittelbar an einem steilen Geländeabbruch gelegene ältermittelalterliche Abschnittsbefestigung „Bürg“. Der Innenraum von etwa 2,8 ha wird durch einen imposanten Graben von etwa 400 m Länge, 30 bis 50 m Breite und einer Tiefe von bis zu 15 m gegen das Hinterland abgeriegelt. Etwa parallel dazu verläuft in ein einem Abstand von durchschnittlich 50 m ein ähnlich dimensionierter zweiter Graben. Im Innenraum ist ein als Hauptburg benannter, durch einen bogenförmig verlaufenden Wall mit Graben abgetrennter Bereich von 0,3 ha vorhanden, in dem die Wallfahrtskirche Maria Bürg steht. Eine kleine archäologische Untersuchung erbrachte 1975 Fundmaterial des 7. sowie des 9./10. Jahrhunderts. Außerdem gibt es Hinweise auf einen vorkarolingischen Bestattungsplatz.

Dass diese wahrscheinlich zur Sicherung eines Isarübergangs angelegte Befestigung eine längere Entwicklungsgeschichte aufweist – die letzte könnte mit der Ungarnbedrohung zusammen hängen –, wird schon länger angenommen. Dies bestätigten eindrucksvoll etwa vor zehn Jahren durchgeführte magnetometrische Messungen, die zur Entdeckung weiterer Strukturen führten, deren Interpretation noch aussteht.

Den Abschluss der Exkursion bildete ein gemeinsames Essen in einem Gasthof an der Mühlhamer Donauschleife.

Die Schlussexkursion am Samstag führte die noch verbliebenen Teilnehmer erneut in den Bereich des Marktes Winzer, genauer in den Gemeindeteil Flintsbach. Dort befinden sich Hornsteinlagerstätten, die sowohl in einem aufgelassenen Kalksteinbruch als auch auf der oberhalb davon bei der Einöde Hardt bekannt sind. Archäologische Untersuchungen fanden 1988 und 1989 in der Residuallagerstätte bei Hardt statt, die durch Oberflächenfunde aus einer Halde bekannt war und zur Entdeckung eines umfangreichen Tagebaues führte. Dort waren die im Lehm eingebetteten Hornsteinknollen aus einer senkrechten Abbauwand entnommen und als Rohmaterial in Siedlungen transportiert worden, wo sie zu Werkzeugen weiter verarbeitet wurden.

Die Nutzung der Flintsbacher Hornsteine beginnt vor etwa 40.000 Jahren. Der intensive, durch die Grabungen nachgewiesene Abbau ist mangels Keramikfunden vor Ort nicht genauer zu klären, doch weist ein aus Holzkohle gewonnenes 14C-Datum von 4460 v. Chr. auf das Mittelneolithikum, ein Ergebnis, das durch häufiges Vorkommen Flintsbacher Materialien an mittelneolithischen Standorten wie z. B. in den Künzinger Ortsteilen Bruck und Unternberg und deren dortiger Weiterverarbeitung nachgewiesen ist.

Die hohe Zahl von Kernen und Abschlägen im Inneren der Halde verweist auf eine spätere Ausbeutung des in der Halde zurück gebliebenen Rohmaterials und dessen örtliche Bearbeitung

Flintsbach ist in der Öffentlichkeit aber bekannter durch das Ziegel + Kalk Museum, das auf dem bis 1968 betriebenen großen Brennofen aus dem Jahr 1883, in dem sowohl Kalk als auch Ziegel gebrannt wurden und der zur Errichtung eines Museums inspirierte. Etwas abseits des Ringofens befindet sich unter einem Schutzbau ein in Essenbach bei Landshut gefundener und mit einem Schwertransport nach Flintsbach gebrachte römische Ziegelofen.

Zum Abschluss führte Jürgen Roith, der Bürgermeister von Winzer mit großer Begeisterung im Ringofen und im zugehörigen Museum. In einem Gasthaus in Winzer fand diese Exkursion ihr Ende und damit offiziell auch das 28. Treffen.

Das nächste Treffen der Arbeitsgemeinschaft findet vom 5. bis 8. Juni 2019 im südböhmischen Žumberk bei České Budějovice statt.

 

Programm

Karl Schmotz: Einführung

Amira Adaileh: Keinen Schritt weiter? Zur paläolithischen Besiedlung in Ostbayern

Jan Eigner – Katarína Kapustka – Milan Řezáč: Paläolithische und mesolithische Besiedlung im Böhmerwald und dessen Vorgebirge

Karl Schmotz: Verbreitungskarten vorgeschichtlicher Fundstellen im Bayerischen Wald und deren Aussagekraft

Ondřej Chvojka – Petr Menšík: Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle und Höhenfundstellen auf der Süd- und Westseite des Böhmerwaldes

Luboš Jiráň: Über die Berge und über die Flüsse. Geografischer Aspekt der kulturellen Entwicklung des Böhmischen Beckens in der jüngeren Vorzeit

Martin Straßburger: Nutzung mineralischer Rohstoffe im Grenzgebirge in vorgeschichtlicher Zeit – Eine Bestandsaufnahme

Dana Chmelíková: Prehistoric copper mining in the area Czech Forest (Böhmischer Wald = Český les) with special attention to the area „Měděnka“ (dist. Domažlice). The state and possibilities of this research

Gernot Krondorfer – Michael Brandl – Walter Postl – Jakob Maurer: Neolithische Steinbeile aus Sillimanit der böhmischen Masse. Eine Spurensuche mit Schwerpunkt Mühlviertel

Philipp Stojakowits: Anthropogene Einflussnahme in den Hochlagen des Bayerischen Waldes – Aussagen aufgrund der bisherigen Pollenanalysen

Dagmar Dreslerová – Radka Kozáková – Milan Metlička – Veronika Brychová – Čeněk Čišecký – Adéla Pokorná – Jan Michálek: Human activities in the upper part of the Šumava Mts during prehistory – reflection in proxy and archaeological data. Multidisciplinary research of the La Tène archaeological site in the Sklarske valley

Marie-Claire Ries: Von Pollen, Pilzsporen und Parasiteneiern – Paläoökologische Analysen in oberösterreichischen Seeufersiedlungen

Gernot Krondorfer – Jakob Maurer: Die Chamer Grube von Niederkappel. Ein Keramikensemble aus dem Oberen Mühlviertel

Joachim Zuber: Zu Verbreitung und Struktur der Chamer Kultur in Ostbayern

Christoph Steinmann: Spätbronzezeit im Oberpfälzer Wald – ein Beispiel aus der Cham-Further Senke

Ruth Sandner: Vorgeschichtliche Donauübergänge zwischen Straubing und Passau – eine Forschungslücke?

František Kubů – Petr Zavřel: Böhmisch-bayerische Kontakte über den mittleren Böhmerwald von der Vorgeschichte bis zum Hochmittelalter

Jiří Waldhauser – Milan Řezáč: Fernwege und Gebirgslagen in der mitteleuropäischen Latènezeit nördlich der Alpen

 


Begrüßung durch Bürgermeister Dietrich


Begrüßung durch Heinz Gruber


Begrüßung durch Miloslav Chytráček


Begrüßung durch Ludwig Husty


Einführung durch Karl Schmotz


Blick ins Auditorium


Die Teilnehmer vor dem Westportal der Kloster- und Pfarrkirche


Die Herausgeberschaft der Sammelschrift Fines Transire 26. Von links: Jan Michálek, Ruth Sandner, Karl Schmotz, Ondřej Chvojka, Heinz Gruber, Miloslav Chytráček, Ludwig Husty; es fehlt Stefan Traxler


Führung auf dem Burgberg von Winzer


Am Standort der mittelneolithischen Kreisgrabenanlage von Künzing-Unternberg


Vor dem Ringofen im Ziegel- und Kalkmuseum Flintsbach

Teilnehmer

Amira Adaileh M.A., Altdorf
Mgr. Dana Chmelíková, Jílové u Prahy
Doc. Mgr. Ondřej Chvojka, Ph.D., České Budějovice
PhDr. Miloslav Chytráček, Ph.D., Praha
Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Regensburg
Ing. Čeněk Čišecký, Praha
Dr. Wolfgang David, Frankfurt am Main
PhDr. Dagmar Dreslerová, Ph.D., Praha
Dr. Florian Eibl, Dingolfing
Mgr. Jan Eigner, Praha
Emmi Federhofer M.A., Hauzenberg
Mag. Heinz Gruber, Linz
Stefan Hanöffner M.A., Deggendorf
Elmar Hartl, Freyung
Dr. Peter Höglinger, Salzburg
Dr. Ludwig Husty, Bogen-Oberalteich
Dr. Walter Irlinger, München
Doc. PhDr. Luboš Jiráň, CSc., Praha
PhDr. Jan John, Ph.D., České Budějovice
Elisabeth Költringer, Atzesberg
Mgr. Radka Kozáková, Ph.D., Praha
Mgr. Vlastimil Král, Strakonice
Dr. Ludwig Kreiner, Landau a. d. Isar
Gernot Krondorfer, Atzesberg
Mag. Jakob Maurer, Wien


Mgr. Milan Metlička, Plzeň
PhDr. Jan Michálek, Písek
Dr. Bernd Mühldorfer, Nürnberg
Prof. Dr. Bernd Päffgen, München
Dr. des Joachim Pechtl, Manching
Dr. Marianne Pollak, Wien
Mgr. Martin Pták, České Budějovice
Mgr. Michaela Ptáková, České Budějovice
Dr. Gabriele Raßhofer, Regensburg
Dr. Thomas Richter, Landshut
Marie-Claire Ries BA, Innsbruck
Milan Řezáč, Plzeň
Dr. Ruth Sandner, Thierhaupten
PhDr. Pavel Šebesta, Cheb
Dr. Karl Schmotz, Bischofsmais
Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, München
Dr. Christoph Steinmann, Regensburg
Dr. Philipp Stojakowits, Augsburg
Dr. Martin Straßburger, Hollenbach
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Trnka, Wien
Wilhelm Wagner, Erding
Rupert Wimmer, Bruckberg
Prof. Dr. Stefan Winghart, Fuchstal-Asch
PhDr. Petr Zavřel, Ph.D., České Budějovice
Bernhard Zirngibl M.A., Regensburg
Dr. Joachim Zuber, Abensberg

Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen/Oberösterreich