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34. Treffen in Strakonice, Südböhmen

Das 34. Treffen der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, West- und Südböhmen und Oberösterreich fand vom 1. – 3. Juli 2026 im südböhmischen Strakonice statt. Tagungsort war die aus dem 13. Jahrhundert stammende am Zusammenfluss von Otava und Volyňka gelegene Burg von Strakonice. 1402 kam die Burg in den Besitz des Johanniterordens, dessen Hauptkonvent im 15. Jahrhundert von Prag nach Strakonice verlegt wurde. Das bei der letzten Tagung festgelegte Rahmenthema „Jenseits der Siedlungsgebiete, menschliche Aktivitäten in außergewöhnlichen Lagen“ sollte einmal ungewöhnliche Fundlagen und -umstände behandeln und in ihren Aussagewerten quer durch alle vor- und frühgeschichtlichen Zeiten bewertet und diskutiert werden. Die Hauptorganisation der Tagung lag in Händen der südböhmischen Kollegen, allen voran bei Ondřej Chvojka sowie bei Vlastimil Král vom Strakonicer Bezirksmuseum, denen dafür herzlich zu danken ist. Die Gewinnung von Referentinnen und Referenten ist von bayerischer Seite Ruth Sandner und Ludwig Husty, von oberösterreichischer Seite Heinz Gruber und von tschechischer Seite vor allem Ondřej Chvojka zu verdanken. An der Tagung nahmen insgesamt 41 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Bayern, Tschechien und Österreich teil.
PhDr. Ivana Říhová, Direktorin des Museums des mittleren Moldautals in Strakonice begrüßte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Im Anschluss sprachen die Vertreter der teilnehmenden Regionen aus Bayern, Oberösterreich und Tschechien Ludwig Husty, Heinz Gruber und Miloslav Chytráček Grußworte. Während der dreitägigen Tagung wurde das Thema in 24 Vorträgen behandelt (s.u.), deren chronologische Bandbreite vom Mesolithikum bis zu aktuellen Forschungen zu besonderen Fundplätzen des zweiten Weltkriegs reichte. Ergänzend zu den Vorträgen des ersten Tagungstages wurden nach den Vorträgen vor allem von den tschechischen Kollegen und Kolleginnen mehrere Poster präsentiert, die ihre Forschungsergebnisse passend zum Tagungsthema von der Linearbandkeramik bis zu sogenannten Kolonisationsburgen des 13. Jahrhundert im Böhmerwald vorstellten. Vlastimil Král führte am Donnerstagnachmittag die Tagungsteilnehmer durch die verschiedenen, vielfältigen und umfangreichen Abteilungen des Strakonicer Museums in der Burg, an die sich ein abendliches Bankett im museumspädagogischen Raum des Museums anschloss.
Bei der Tagung konnte Ludwig Husty den neuen 32. Band der Sammelschrift Fines Transire vorstellen, in dem fast allen Beiträgen des 30. Treffens im oberösterreichischen Traunkirchen nunmehr auch gedruckt vorliegen. Neben der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und der Universität Innsbruck ist besonders den Kooperationspartner aus Bayern (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege), Österreich (Bundesdenkmalamt) und Tschechien (Südböhmisches Museum in Budweis und Westböhmischen Museum in Pilsen), die finanzielle Mittel für die Publikation bereitstellen, für die Drucklegung zu danken. Für die Redaktion und das Layout ist Christiana Later herzlich zu danken. Die Drucklegung erfolgte wieder in bewährter Weise durch die Deggendorfer Druckerei Ebner. Der 32. Band der Fines Transire ist der letzte Band der beim archäologischen Fachverlag Marie Leidorf präsentiert wird, der diese Sammelschrift seit 1995 verlegt hat. Der nächste Band der Fines Transire wird beim renommierten Regensburger Verlag Schnell&Steiner erscheinen.

Exkursion

Der erste Exkursionspunkt führte die Teilnehmer zu dem kleinen nur knapp 10 km nördlich von Strakonice im mittelböhmischen Bergland gelegenen Ort RADOMYŠL. Die dort besuchte ursprünglich aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert stammende und später barockisierte St. Martins-Kirche ging im 14. Jahrhundert in den Besitz des Johanniterordens über. Von besonderer Bedeutung waren die Funde und Befunde des vermutlich größten jungburgwallzeitlichen Friedhofs Böhmens, der in Radomyšl 1963 entdeckt und dann bis 1968 archäologisch untersucht wurde. Seine ursprüngliche Größe des aufgrund zahlreicher Beigaben wie S-förmige Ohrringe, Fingerringe, Perlen und Denare ins 12. nachchristliche Jahrhundert datierten Friedhofs dürfte bei 1.000 – 1.200 Gräber gelegen haben. Ungewöhnlich waren 52 Gräber, die mit großen Grabsteinen versehen waren, von den fünf Grabsteine auch auffällige Markierungen aufwiesen. Die wichtigsten Ergebnisse und Ausgrabungsfunde konnten in dem nahe der Kirche gelegenen Museum im ehemaligen Getreidespeicher (die ursprüngliche Johanniterkurie) besichtigt werden. Nach einem kleinen Fußmarsch durch den Ort auf den Johannesberg stand der Besuch der Wallfahrtskirche des hl. Johannes des Täufers am Programm sowie der unweit davon gelegene inzwischen aufgelassene jüdische Friedhof. In PŘEŠŤOVICE, dem nächsten Exkursionspunkt, wurde in den 1920er und 1930er Jahren das bislang einzige bekannte germanische Gräberfeld Südböhmens aus der Übergangszeit der jüngeren Kaiserzeit zur beginnenden Völkerwanderungszeit (4.- 5. Jh. n. Chr.) entdeckt. Neben der Topografie mit Blick über das ehemalige Gräberfeld und die nahe gelegene Siedlung sind besonders die aus mehreren der 522 geborgenen Brandgräbern geborgenen facettierten Schalen zu beachten, die mit gleichartigen Gefäßen aus dem niederbayerischen Fundort Friedenhain charakteristisch für die ins 5. Jahrhundert datierende Gruppe Friedenhain-Přešťovice stehen. Den Exkursionsabschluss bildete der Besuch der noch heute im Gelände nahe MODLEŠOVICE erkennbaren Zeugnisse der vor allem aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit stammenden Goldseifen. Nach ersten Untersuchungen in den1920er und 1940er Jahren folgen umfangreiche Untersuchungen in den frühen 1977er Jahren, bei denen 14C Datierungen dann auch den Nutzungszeitraum zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert bestätigten.

Die nächste Tagung der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Ostbayern, West- und Südböhmen und Oberösterreich wird vom 23. - 25. Juni 2027 in Regensburg stattfinden.

Programm

Petr Pokorný – Martin Pták – Michaela Ptáková – Ivana Šitnerová: The Rises and Falls of the Cultural Landscape in the Strakonice Region: An Off-site Approach to Archaeology Using Sedimentary Archives

Martin Pták: Neue Funde prähistorischer, antiker und frühmittelalterlicher Artefakte an ungewöhnlichen Orten in Volyně und Umgebung

Isabella Denk: Zwischen Opferplatz und Weidewirtschaft: Funde und Befunde an topografisch markanten Orten im Oberpfälzer Jura

Thomas Richter: Was ist schon außergewöhnlich? Die mesolithische Begehung des bayerischen Waldes

Joachim Zuber: Außergewöhnliche topographische Situationen der Bandkeramik in Ostbayern
Markéta Augustýnová: Fundstätten mit Spuren der Bronzemetallurgie aus der Bronzezeit
hinter der bekannten Siedlungsgrenze

Jan Kocina: Survey of the Svět pond in relation to the origins of St. Giles Church near
Domanín (Jindřichův Hradec district)

Ladislav Čapek: Watch-Posts Guarding Borders and Long-Distance Routes in Medieval
Western Bohemia

Josef Hložek – Petr Kočár: Die Burgen auf den Gipfel des Böhmerwaldes. Kleine Burgen an
der Grenze zwischen Demonstrationsarchitektur und praktischer Nutzung
Martin Pták: Neue Erkenntnisse zu den sogenannten Kolonisationsburgen aus dem 13.
Jahrhundert im Böhmerwald

Daniel Hlásek: Run to the Hills! The Landscape of Prehistoric Hillforts around the
Confluence of the Vltava and Lužnice Rivers

Ondřej Chvojka – Nevenka Atanasoska – Libor Vobejda et al.: Untypische Lagen für die urnenfelderzeitliche Besiedlung Südböhmens

Benedikt Biederer: Der Maifelsen und die Maifelsenhöhlen im Altmühltal. Früh-
und spätbronzezeitlicher Rückzugsort, Bestattungsplatz, Kultort?

Daniel Brandner: Neue Horizonte – Das Ha D-zeitliche Abbaurevier im Salzbergwerk Hallstatt
Gerald Raab: Prähistorische Befunde und Funde der Ausgrabungen in Hallstatt – Riezinger, Seestraße (Kampagne 2025)

Daniel Stráník et al.: Celts in Northern Plzeň Region: A Project for the Preventive Protection of Archaeological Heritage

Jiří Militký – Jan John – Milan Řezáč: Finds of Celtic and Roman Coins from Mountains of Šumava and Bohemian Forest

Ulli Hampel: Ein aktueller Sonderbefund aus dem municipium Iuvavum
Johannes Sebrich: Der Sax im Straßengraben. Ein merowingerzeitlicher Sonderfund vom Regensburger Osthafen nahe Irlmauth

Martin Schreiner: Ora et labora? – Archäologische Spuren aus der Geschichte
des Oberpfälzer Zisterzienserklosters Walderbach

Tomáš Pancíř – Teemu Väisänen: Militarized Landscapes on the Arctic Periphery: Material Remains of the German Luftwaffe in Finnish Lapland

 


Abb. 1 Teilnehmer der ARGE Tagung 2026 in Strakonice (Foto: Robert Malota, Museum Strakonice).


Herausgeber des 32. Bandes der Sammelschrift Fines Transire (v.l. O. Chvojka, M. Chytráček, J. John, L. Husty, R. Sandner, H. Gruber. Foto: Robert Malota, Museum Strakonice).


Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch Frau PhDr. Ivana Říhová, Direktorin des Museums des mittleren Moldautals in Strakonice (Übersetzung: O. Chvojka, Foto: L. Husty)


Gedankenaustausch während der Kaffeepause (Foto: Robert Malota, Museum Strakonice).


V. Král beim Beginn der Museumsführung (Foto: L. Husty).


… wo geht‘s hin? J. Zuber (Kelheim), R. Sandner (Regensburg) und Th. Richter (Landshut) bei der Museumsführung (Foto: L. Husty).


Blick von der Museumsterrasse über die Otava am Ende der Museumsführung (Foto: L. Husty).


Abendliches Bankett im museumspädagogischen Raum des Strakonicer Bezirksmuseums (Foto: L. Husty).


Exkursionsteilnehmer vor der Wallfahrtskirche Johannes des Täufers auf dem Johannesberg in Radomyšl (Foto: O. Chvojka).

Teilnehmer

Nevenka Atanasoska
Markéta Augustýnová
Benedikt Biederer
Daniel Brandner
Ladsilav Čapek
Ondřej Chvojka
Miloslav Chytráček
Wolfang David
Isabella Denk
Věra Dvořáková
Florian Eibl
Heinz Gruber
Ulrike Hampel
Daniel Hlásek
Josef Hložek
Peter Höglinger
Ludwig Husty
Jan John
Jan Kocina
Vlastimil Král
Milan Metlička

Jiří Militký
Marek Parkman
Tomáš Pancíř
Alena Petráškova
Petr Pokorný
Marianne Pollak
Martin Pták
Gerald Raab
Alfred Reichenberger
Milan Řezáč
Thomas Richter
Ruth Sandner
Lucie Šmahelová
Martin Schreiner
Johannes Sebrich
Helene Sedlmaier
Daniel Stráník
Gerhard Trnka
Libor Vobejda
Joachim Zuber

Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen/Oberösterreich